Mentales Training (MT)

eine bewährte Methode zur Optimierung von Handlungen, Leistungen und inneren Zuständen

Was ist MT?

Gedanken, Gefühle und Vorstellungen fördern oder hemmen je nach Ausrichtung die erfolgreiche Bewältigung von Anforderungen. Ein gezieltes, systematisches Training mentaler Prozesse ermöglicht es, psychoregulativ wirkende innere Bedingungen zu verstärken, zu verbessern, zu optimieren oder zu korrigieren (z.B. bewusste und nicht bewusste Abbilder, Muster oder Erfahrungen). Bezugspunkt bilden dabei die realen Tätigkeits- bzw. Verhaltensanforderungen sowie die mit ihnen verbundenen psychophysischen Zustände (z.B. konzentriert entspannter Zustand bei einer Präsentation). Durch spezielle mentale Techniken können das innere Handlungsmodell bzw. die ihm zu Grunde liegenden unterschiedlichen Regulationsebenen (kognitiv-emotional, motorisch, vegetativ, neuronal) und der äußere Handlungsablauf in Einheit trainiert und aufeinander abgestimmt (synchronisiert) werden. Ein besonderer Vorteil besteht darin, dass hohe und/oder einmalige Anforderungen (z.B. Bewerbungsgespräch) vor der realen Ausführung unbegrenzt mental trainiert werden können, was gleichzeitig zur Stressreduktion beiträgt.

Anwendungsgebiete & Wirkungsweise

MT kann in Be­ratungs- bzw. Coachingprozesse im Sport- und Firmenbereich, in psycho­therapeu­tische Interventionen (z.B. Prüfungsangst) sowie in ge­sundheit­sorien­tierte Programme (z. B. Stresskompetenz) eingebunden werden. Zunehmend werden auch Anwendungsmöglichkeiten in der neurologischen und orthopädischen Rehabilitation erschlossen. Mentale Trainingsprogramme tragen immer personen- und anforderungs- bzw. aufgabenbezogenen Charakter. Sie beinhalten die Erarbeitung einer klaren Zielsetzung, eindeutiger handlungs- und/oder bewegungsorientierter Vorstellungen und dazu gehöriger Selbstmotivierungsprozesse (Selbstgesprächsregulation, Selbstinstruktion). Ein angeleitetes, kontinuierliches mentales Training fördert die Arbeit an sich selbst, erhöht die Selbstwahrnehmung und verstärkt die Gewissheit, sich selbst besser regulieren und beeinflussen zu können.

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Wie läuft typischer Weise ein Kurs/der Unterricht ab?

MT - in dem hier beschriebenen Sinne - ist in erster Linie ein individuell ausgerichtetes Verfahren und eignet sich deshalb eher für die Einzelarbeit mit KlientInnen im Rahmen längerfristiger Trainings- bzw. Coachingprozesse oder psychotherapeutischer Interventionen. Im Gruppentraining können Basiswissen und -techniken vermittelt, der unterschiedliche Einsatz mentaler Trainingsprogramme diskutiert und die Teilnehmer entsprechend motiviert werden. Die Erarbeitung individueller Programme in der Gruppe ist weniger üblich und nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich (annähernd gleiche Aufgaben/Zielsetzungen, keine Konkurrenzsituation, positive Gruppendynamik, geringe Gruppenstärke).

MT besteht aus drei Abschnitten:

  • Erarbeitung des mentalen Programms einschließlich einer Kurzentspannung (ca. 4-5 Einheiten)
  • Erprobung, Überprüfung und evtl. Korrektur bzw. Anpassung des Programms (ca. 3 Einheiten)
  • Anwendung in realen Anforderungssituationen bei gestuftem Schwierigkeitsgrad und Unterstützung durch Coach/Thera­peutIn sowie Bewertung, Feedback, Motivierung über einen längeren Zeitraum.

(MT wird über die DG-E e.V. als systemkonformer Baustein für Multimodale Stresskompetenz angeboten; diese Fortbildung beinhaltet vorrangig das methodische Vorgehen des o.g. ersten Abschnittes).

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Für wen ist MT geeignet, für wen nicht?

Der Klient oder die Klientin sollte motiviert und bereit sein, eine individuelle Problemstellung lösen zu wollen sowie über kognitiv-emotionale Voraussetzungen zu aktiver Mitarbeit verfügen. Vorteile sind ein gutes Vorstellungsvermögen (Arbeit mit Bildern), positive Selbstwirksamkeitserwartung (in Bezug auf MT) sowie Interesse an der Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und Leistungsfähigkeit. MT kann bereits mit Kindern/Jugendlichen ab 12 Jahren durchgeführt werden. Themen sind z.B. Schul- bzw. Prüfungsleistungen, sportliche Wettkampftätigkeit.

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Häufige Fragen zum MT und ihre Antworten:

Ist mentales Training eine seriöse Methode, kann sie mir schaden? MT beruht auf ganz natürlichen Vorgängen, die jede/r nachvollziehen kann, wenn er oder sie sich eine persönliche Erfolgssituation, ein schönes, entspannendes Urlaubserlebnis, eine Lieblingsspeise u.ä. intensiv vorstellt und erlebt, wie sich dabei der aktueller Zustand verändert. Die Erarbeitung eines mentalen Trainingsprogramms ist nur durch aktive Mitarbeit des Teilnehmers möglich; er bestimmt den Inhalt, der Coach berät aus methodischer Sicht.

Ist mentales Training Psychotherapie? MT ist eine Methode für den Alltag und hat in seinem Grundansatz zunächst nichts mit Psychotherapie zu tun. Es wird überwiegend außerhalb der psychotherapeutischen Praxis angewandt, vornehmlich im Verhaltenstraining, Coaching u.ä. Seine Methodik wurde durch Erfahrungen aus psychotherapeutischen und anderen Verfahren (z.B. Selbstinstruktion/Autogenes Training) bereichert. Innerhalb psychotherapeutischer Intervention kann MT methodisch genutzt werden, z.B. bei leistungs- bzw. anforderungsbezogenen Ängsten.

Worauf sollte ich achten, wenn ich mir einen Coach suchen möchte?Er oder sie sollte über eine solide psychologische Ausbildung verfügen (möglichst Diplompsychologe o.ä.), speziell als MentaltrainerIn ausgebildet sein und ausreichend Erfahrungen bei der praktischen Anwendung des MT - möglichst in dem von Ihnen gewünschten Anforderungsbereich (z.B. Sport) – besitzen.

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Zur Geschichte des Verfahrens:

MT beruht auf dem 1873 von Carpenter beschriebenen und 1890 von James als Gesetz formulierten ideomotorischen Prinzip, wonach die Vorstellung einer Bewegung die Tendenz zu ihrer Ausführung hervorruft (Aktivierung der entsprechenden muskulären, zentralnervalen und vegetativen Prozesse). Darauf aufbauend wurde im Sport (Sportpsychologie) das ideomotorische Training (Training von Bewegungsvorstellungen) bzw. MT entwickelt und praktisch angewandt. Dabei zeigte sich, dass mit MT über die Beeinflussung der Bewegungsregulation hinaus auch die Regulation komplexerer Handlungen und innerer Zustände verbessert werden kann. Weitere – vor allem kognitiv-verhaltensthera­peu­tische Ansätze - wurden integriert wie z.B. formelhafte Vorsätze, Erarbeitung klarer Zielsetzungen, Fokussierung der Vorstellungen durch vor geschaltete Kurzentspannung. Die Erfahrungen im Sport wurden auf berufliche und z.T. auch künstlerische Anforderungsbereiche (z.B. Musiker, Tänzer) übertragen und weiter entwickelt. Das MT fand Eingang in Coachingkonzepte und wird zunehmend in psychotherapeutische Interventionen, gesundheits­bezo­gene Programme (z.B. Stressbewältigung) sowie in die Rehabilitation einbezogen. Aus dieser Geschichte des Verfahrens heraus ist MT eine Methode zur Verbesserung mentaler Regulationsvoraussetzungen mit Bezug auf konkrete Tätigkeiten und Verhaltensweisen sowie die mit ihnen verbundenen psychophysischen Zustände. Zu beachten ist: Die Begriffe „mentales Training“ und „Mentaltrainer“ sind nicht geschützt. Daraus ergibt sich, dass unter gleichem Namen ein breites Spektrum unterschied­licher, oft auch recht ungenau definierter und teilweise kritisch zu bewertender Inhalte angeboten wird. Auf dem freien Markt bewegen sich Anbieter von sehr hoher bis fehlender Qualifikation.

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Literatur für AnwenderInnen:

  • Eberspächer, H. (2007). Mentales Training. Das Handbuch für Trainer und Sportler. München: Copress Sport

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Literatur für VermittlerInnen, TrainerInnen und DozentInnen/AusbilderInnen:

  • Christmann, F. (1996). Mentales Training: Anwendungen in Psychotherapie, Beratung, Supervision und Selbsthilfe. Göttingen: Verlag für Angewandte Psychologie
  • Mathesius, R. (2008) Theoretische Einordnung, Zielsetzungen und methodischer Aufbau des Mentalen Trainings. In: Entspannungsverfahren Nr. 25, Lengerich: Pabst Sc. Publ., 89-108
  • Mayer, J.; Hermann, H.-D.(2009) Mentales Training. Heidelberg: Springer Medizin Verlag

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Literatur zur wiss. nachgewiesenen Wirksamkeit:

  • Beier, G. (1991) Rechnergestützte Objektivierung des mentalen Verhaltenstrainings. In: Kratzer, H.; Mathesius, R. (Hrsg.): Beiträge zur psychischen Regulation sportlicher Handlungen. Köln, 89–95
  • Engelkamp, J. & H. D. Zimmer (2006). Lehrbuch der Kognitiven Psychologie. Göttingen, Berlin: Hogrefe, 452ff.
  • Mayer, J.; Hermann, H.-D.(2009) Mentales Training. Heidelberg: Springer Medizin Verlag, 35-66 (Wirksamkeitsstudien, Metaanalysen)

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